Praktische Tipps zum alleine Reisen

nebenstrasse_08
nebenstrasse_09
nebenstrasse_10

Alleine reisen (im Van / Wohnmobil): mein Lebenselixier!

Ich muss so sehr über mich selbst lachen, wenn es mir mal wieder passiert: Beim Anblick eines Alleinreisenden entfleucht mir oft reflexartig der spontane Gedanke: „Hat die Arme denn niemanden, dass die so alleine unterwegs sein muss?“ (Meist ist es eine SIE – alleinreisende Männer sehe ich wirklich sehr selten…) Kopfschüttelnd und grinsend wundere ich mich über mich und meinen mitleidigen Impuls – gehöre ich doch selbst zu den Glücklichen, die alleine unterwegs sind und den Zustand des Soloreisens extrem genießen!

Solo unterwegs sein zu dürfen ist ein Geschenk

Ich kenne diese mitleidsvollen Blicke selbst zu Genüge! Auf jedem Übernachtungsplatz sehe ich förmlich die Gedanken der Nachbarn: „Guck mal, die Frau sitzt alleine im Van… Die steigt tatsächlich alleine aus – da muss doch noch ein Mann, ein Kind oder bitte wenigstens ein Hund im Auto sein… Die kocht für sich alleine und verbringt schweigend ihre Zeit – die Arme, hoffentlich wird doch noch jemand nachkommen…“ Ich sehe die Männer immer verwunderter und die Frauen immer kritischer werden und antworte darauf mit strahlendem Lächeln!

Dabei muss mich niemand kritisch beäugen oder gar bemitleiden, denn mein Alleinsein ist mein selbstgewähltes Glück. Im „normalen“ Leben bin wahnsinnig gerne und wirklich viel mit wunderbaren Menschen zusammen, ich lebe einen so vollen und lebendigen Alltag – und betrachte meine Solo-Zeit als unfassbares Geschenk. Die Zeit mit mir allein auf Reisen ist mein Lebenselixier und eine meiner größten Lebensfreuden.

Alleine zu reisen heißt für mich Selbstbestimmung und Freiheit pur

Alleine unterwegs zu sein bedeutet für mich, in jedem Moment im Hier und Jetzt, ganz einfach bei mir zu sein!

» Ein Tag ist allein so viel intensiver, weil ich viel mehr Zeit für mein ganz eigenes Leben habe: Allein im Café zu sitzen und die Menschen zu betrachten, hinterlässt einen tieferen Eindruck, als mich mit einem Reisegefährten über die letzte Etappe zu unterhalten.

» Allein an der Felsküste zu stehen und schweigend die Aussicht zu inhalieren, zu spüren und zu schmecken, wird mir deutlicher in Erinnerung bleiben, als mich gleichzeitig um plappernde Kinder zu kümmern.

» Mich stundenlang in die Wiese zu legen, weil ich müde bin, macht mich so viel fröhlicher, als mit dem Rest der Familie zu streiten, wann wir endlich irgendwo „richtiges“ ankommen.

» Und wenn ich mich fahrend in Sekundenschnelle für einen Richtungswechsel entscheide – ganz einfach so, aus dem Bauch heraus – ist das ungleich beglückender, als mit dem Partner über die perfekte Route diskutieren zu müssen…

Es gibt auf meinen Solo-Touren nichts und niemanden, der mich von mir ablenkt. Ich bin völlig frei, genau das zu tun, was ich gerade tun möchte – in diesem Moment!

Wann hast Du das letzte Mal hingespürt, was Du wirklich brauchst? Was Du tatsächlich willst? Und es dann auch unmittelbar getan? Dieses Glück nenne ich Freiheit!

Maximale Unabhängigkeit und Geborgenheit mit dem Wohnmobil

Auch bei meiner Reiseroute bleibe ich selbstbestimmt, frei, spontan und unabhängig. Ich plane nur die Himmelsrichtung, addiere ein paar sehenswerte Punkte, folge der Einfachheit halber gerne einer Küstenlinie und orientiere mich (statt Navi) am Sonnenstand. Ich lasse mich einfach treiben, fahre so lange ich möchte, biege hierhin und dorthin ab und bleibe stehen, sobald es mir gefällt.

Der Blick aufs Wasser muss es sein, möglichst viel Freiraum um mich, ein wohliges Gefühl – und ich bin zu Hause. Für mich ist beim Alleinreisen mit dem Wohnmobil mein kleiner Van die Heimat, mein Nest, mein Kokon. Und mehr brauche ich nicht, um mich wohlig und geborgen zu fühlen.

Ein Camper ist das perfekte Mobil zum Alleinreisen

» Ich bin total autark, weil ich weder eine Unterkunft noch Essensangebote suchen muss.

» Ich bin stets geborgen und geschützt, wenn ich beispielsweise durch etwas unheimlichere Gegenden fahre, an der Ampel neben zwielichtigen Gestalten stehe oder im Dunklen noch keinen Schlafplatz gefunden habe.

» Ich bin damit ganz sicher, weil ich jederzeit fortkomme, wenn mir die Situation nicht (mehr) gefällt.

Ja: das Alleinsein kann auch nerven

Doch, ja, manchmal nervt mich das Alleinsein, wenn ich in Situationen gerate, die sich zu zweit einfach besser meistern ließen:

» Es wäre tatsächlich angenehmer, wenn im Dunkeln bei Regen über Russlands halsbrecherische, unbeleuchtete Baustellen-Autobahnen einer führe, währenddessen der andere nach dem einzig möglichen Wohnmobil-Stellplatz in der nächsten Stadt recherchiert…

» Es wäre praktischer, wenn der eine am Steuer sitzt, um das in der litauischen Sanddüne festgefahrene Mobil heraus zu manövrieren, während der andere gleichzeitig mit Zweigen einen besseren Untergrund schafft…

» Es wäre entspannter, den albanischen Bewaffneten zu zweit zuzuhören, um mit vier Ohren vielleicht schneller zu erkennen, dass sie sich nur als Bayern München Fans outen möchten…

ABER: in allen Situationen geht es dann doch auch alleine!

Es ist immer wieder eine grandiose Erfahrung, dass ich allen Herausforderungen gerecht werde, dass ich auf mich vertrauen kann, dass ich wahrlich unabhängig bin!

Alleine zu reisen heisst, die Komfortzone kennen lernen zu dürfen

Welch Geschenk, auch mal grenzwertige Erfahrungen auf Reisen machen zu dürfen. Wie schön, die eigene Komfortzone zu erweitern, zu verlassen, die Grenzen überhaupt kennen zu lernen! Viel zu selten hat man doch im Alltag die Möglichkeit, Neues auszuprobieren oder zu testen, zu was man überhaupt fähig ist. Und viel zu selten darf man im „normalen“ Leben erkennen, dass man ganz allein sein Leben in der Hand hat, dass man selbst Lenker des Seins ist – und nicht darauf warten muss, bis jemand das Steuer übernimmt…

Wie wundervoll also, wenn ich mich unterwegs nur auf mich verlassen kann – und so erfahre, welche Kräfte in mir schlummern. Wie stark, kreativ, gelassen und selbstbewusst ich auch auf schwierigere Situationen reagiere.

Nur im Alleinsein lerne ich mich und meine Komfortzone kennen – und wie unfassbar stolz ich auf mich sein kann!

Und natürlich hab ich manchmal Schiss!

Ich bin ein sehr begabter Phantasierer – vor allem nachts, in Dunkelheit. Dann kann ich von einem kleinsten Geräusch aufschrecken und habe die blödesten Ideen, Gedanken, wildes Herzklopfen… Und natürlich gibt es auch tagsüber Situationen, in denen ich mich unwohl fühle, in denen ich mich bedroht, ängstlich, unsicher fühle. Es bleibt nicht aus, wenn man in der Fremde unterwegs ist, wenn man sich alleine der Welt und dem Unbekannten stellt.

Aber was ich in all meinen Reisen gelernt habe und was ich Dir gerne an die Hand geben möchte:

Gehe in diesen Momenten gedanklich einen Schritt zurück und betrachte diese Situation ganz genau:

» Ist es wirklich gefährlich – oder ist es nur die Phantasie, die Du von dieser Situation hast?

» Ist Dunkelheit tatsächlich böse – oder nur Deine Vorstellung der Gefahren, von denen Du mal gehört hast?

» Sind diese intensiven Blicke tatsächlich bedrohend – oder doch nur neuigierig-interessiert?

» Ist diese Straße wirklich unsicher – oder ist es nur Deine Vorstellung, die sie schmäler und steiler macht?

Ja, manchmal habe ich Herzklopfen – aber ich habe einfach keine Lust auf Angst!
Und deshalb bleibe ich in jedem Moment unendlich wach. Ich möchte mich nicht von einem diffusen Angstgefühl bestimmen lassen, möchte nicht mit negativem Grundgefühl durch die Welt gehen – und prüfe deswegen jeden Moment: reale Unsicherheit – oder nur Phantasie? Reale Gefahr – oder nur ein schlechtes Bild?

Du kannst Deinen Blick auf die Dinge ändern – und damit Deinen Seelenfrieden herstellen.
Lass nicht die Angst Dich bestimmen, sondern sei Du mächtiger als Deine Unsicherheit. Die Welt ist schön – und wenn Du ihr wohlgesonnen bist und auf das Gute vertraust, dann bleibt sie freundich zu Dir. Versprochen!

Meine Strategien, damit Du Dich beim Alleinreisen mit dem Wohnmobil gut fühlen kannst

» Ich bin stets extrem unauffällig und freundlich! Entweder stehe ich wirklich ganz abseits und mache mich eben unsichtbar. Oder ich nehme sofort (Blick-)Kontakt mit möglichen Nachbarn auf. So checke ich, ob sie in Ordnung sind, dass sie mich nett finden und deswegen irgendwie „ein Auge“ auf mich haben. Alleinreisende sind so ungewöhnlich, da achten alle gern drauf und ich habe das gute Gefühl ein wenig beschützt zu sein.

» Ist eine sehr abgelegene Stelle meine Wahl, entscheide ich mich gern recht früh für diesen Platz, denn bis zur Nacht fühle ich mich hier dann richtig heimisch, wohlig, geborgen.

» Wenn ich auf freien Plätzen stehen möchte, an denen tagsüber rechter Rummel herrscht (in Städten, bei Tavernen, an Strandbars), parke ich etwas weiter weg, verbringe dort den Tag und fahre dann erst später auf den endgültigen Schlafplatz. Damit möchte ich möglichst wenige Tagesgäste auf mein Alleinsein und den dazugehörigen Bus aufmerksam machen, was mir einfach ein besseres Gefühl gibt, wenn ich schlafen gehe.

» Um mich ganz sicher zu fühlen, parke ich immer (!) „fluchtbereit“ in Fahrtrichtung, mit allem Equipment verstaut und ohne Hindernisse vor dem Auto. So könnte ich, wenn ich mich tatsächlich nachts extrem unwohl oder gar bedroht fühle, einfach aus dem Bett auf den Fahrersitz wechseln und flott das Weite suchen.

» Für ein ganz sicheres Gefühl habe ich mir extra Sicherheitsvorrichtungen für alle meine Türen einfallen lassen), so dass ich so vor schnellem, unauffälligem Einbruch geschützt bin (und zur Not die Zeit zum Wegfahren habe).

» Und natürlich lasse ich mich nie auf Gespräche mit (mir unangenehmen) Typen ein, erwähne einen (um die Ecke) wartenden Ehemann, trage in manchen Gegenden sogar einen Fake-Ehering. Ob sie Hintergedanken haben oder nicht: Nur weil ich mir nicht sicher wäre, ob sie mein Alleinsein interessant finden, würde ich die folgende Nacht unentspannt hellhörig bleiben – da habe ich einfach keine Lust drauf!

Die Geschichten meiner Solo-Touren zum Nachlesen

Auf vielen meiner Roadtrips habe ich einen kleinen Reise-Blog geführt. So kannst Du gerne die Erlebnisse meiner Touren im Van nachlesen.

Übrigens: Wenn Du Dich zum Newsletter anmeldest, verpasst Du keine Tour und kannst mich immer virtuell begleiten, was mich sehr freuen würde. Du findest mich tagesaktuell auf Instagram und Facebook. Hier auf dem Blog versuche ich, möglichst zeitnah zu schreiben.

Seit vielen Jahren bin ich immer wieder allein auf Reisen und bezeichne mich gerne als „Genussvolle Alleinreisende“.
Ich toure mit dem Motorrad oder im Van durch den Osten Europas: vom Balkan bis ins Baltikum, über den Kaukasus und Zentralasien bis nach Tadschikistan. Bewusst fahre ich allein, um in meinem sonst so schnellen Leben das freie, völlig ungebundene Sein in Ruhe zu zelebrieren.

In diesem Buch möchte ich Dir Mut machen und den letzten Anstupser geben, dass Du Dich einfach mal alleine durch die Welt trudeln lassen magst.

Du findest darin inspirierende Gepräche mit anderen Reisenden, ich erzähle DIr meine Erlebnisse unterwegs und gebe Dir alle Tipps, die Du zum Starten brauchst.

Menü