Hella Stichlmair, die Mumbai Insiderin

Hella

Roadtrip Interview Gespräch Alleinreisende alleine Reisen
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Die begeisterte Liebhaberin der Megacity Mumbai

Hella begeistert mich: Sie ist eigentlich immer ungewöhnliche Schritte gegangen, hat nie den klassischen Weg genommen und zieht ihre Pläne „einfach“ durch. Seit 10 Jahren reist sie immer wieder nach Mumbai, weil sie ihr Herz an diese Stadt verloren hat. Sie lebt dort, um zu arbeiten, zu schauspielern und ihren Reiseführer zu schreiben.

Mit ihrem Buch „Mumbai by bus an train“ gibt sie die Anleitung, diese Megacity ganz easy mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu entdecken. So intensiv recherchiert und mit viel Liebe geschrieben.

Mein Gespräch mit Hella als Podcast zum Zuhören

An meinem Küchentisch spreche ich mit Hella über ihre Leidenschaft zu Mumbai und dass sie sich in dieser Stadt ganz entspannt fühlt, auch wenn sie alleine unterwegs ist. Mumbai eignet sich perfekt, sagt Hella, um einfach mal hinzufahren.

Lass Dich begeistern von Hella’s Energie und Enthusiasmus! Und auch wenn ich sooo viele Fragen (noch) nicht gestellt habe: Ich glaube, es kommt rüber, warum es sich lohnen würde, nach Mumbai zu reisen.

Mein Gespräch mit Hella Stichlmair zum Lesen

Liebe Hella, wie kann man denn sein Herz an einen Moloch wie Mumbai verlieren?

Ja, das ist sehr schwierig zu beantworten… es ist einfach so ein Gefühl… Das erste was ich dort nach dem Ankommen mache, ist Zugfahren. Es ist der absolute Kick. Hört sich total komisch an, weil diese Stadt Millionen Einwohner hat und die Züge einfach voll sind, aber im Fahrtwind der offenen Türen zu stehen, ist einfach absolute Faszination. Und ich liebe diese Vielschichtigkeit, diese Unterschiede: die reichsten Menschen in Indien wohnen in Mumbai, aber dann siehst Du eine Straße weiter die ärmsten Menschen, die auf dem Fußweg oder dem Mittelstreifen wohnen. Das ist natürlich nicht toll, aber so ist einfach die Realität…

Aber ist Mumbai eine Stadt, in der Du auf Dauer leben könntest? Oder bist Du ganz froh über den Wechsel von Indien und Europa?

Das ist eine gute Frage. Ich glaube dauerhaft, so 5 oder 6 Jahre möchte ich das auch nicht – aber ich brauche sowieso den Wechsel. Auch nach einem Jahr in London würde ich fast schon gerne wieder was anderes machen… Und dann ist es aber auch so, dass man als Westler, als Europäer in Mumbai schon sehr auffällt, was anstrengend ist. Und mein Hauptproblem ist, dass man in Mumbai als Frau nur 2. Klasse ist. Nun bin ich als weiße Europäerin schon „oberste“ zweite Klasse, aber ich merke der Unterschied am Verhalten der Männer sehr. Und das ist nach einer Weile echt anstrengend! Also es nervt, auch wenn es eine interessante Erfahrung ist, weil wir in Europa schon viel weiter sind und ich unser Selbstverständnis der Gleichberechtigung mit dieser Erfahrung dort hier einfach besser schätzen kann.

Wie gehst Du damit um? Bist Du dort etwas „erziehend“ unterwegs?

Ich schreibe das auch in meinem Reiseführer: als Frau musst Du Dich einfach den Regeln anpassen, auch weil Du Dich nicht gefährden möchtest. Das heisst, dass Du die Regeln im Land kennen musst. Eine Regel ist, dass eine indische Frau nicht mit einem indischen Mann spricht, den sie nicht kennt. Mich sprechen manche Männer an, obwohl sie wissen, dass sie das eigentlich nicht dürfen. Aber ich verhalte mich meist eben wie eine Inderin und bin einfach unhöflich. Aber ich passe mich auch sonst an, weil ich mit dem Einhalten von Regeln zum Teil der Gesellschaft werde. So bringe ich mich weniger in Gefahr. Klar entgehen mir dann vielleicht interessante Gespräche mit Männern – aber das ändere ich, indem ich aktiv mit Frauen spreche.

Also kannst Du Dich mit Frauen ganz frei und ungezwungen unterhalten?

Ja, klar. Die Frauen sind ganz offen. Mumbai ist ja inzwischen schon eher „westlich“, modern und kosmopolitisch. Es gibt eine große Mittel- und Oberschicht, in der sehr viele Frauen arbeiten, in WGs wohnen, noch nicht verheiratet sind… Ich hatte schon viele interessante Gespräche. Zum Beispiel auch im Zug, in dem es ein eigenes Abteil für Frauen gibt.

Das find ich echt Wahnsinn, dass es das gibt.

Ich benutze es wirklich gerne, weil es eben weniger voll ist. Und vor allem betatschen die indischen Männer ganz gerne und das nervt!

Und deswegen gehst Du lieber den „einfacheren Weg“, indem Du ihnen eben ausweichst und das Dir zur Verfügung stehende Abteil benutzt…

Genau! Und die Frauen sind dann oft ganz neugierig: oh, eine Weiße, cool… dann sind sie vielleicht etwas schüchtern, aber sprechen mich trotzdem an, oder ich lache sie an… so kommt man ins Gespräch. Auch beim Essengehen sitze ich am Tisch mit Frauen und es entwickeln sich schöne Unterhaltungen…

Wie weit würdest Du denn sagen, dass Du Dich als alleinreisende Frau auf gefährliches Terrain begibst?

Ich würde sagen, dass Indien sehr sicher ist. Die Gefahr, in Europa überfallen zu werden, schätze ich deutlich höher. Aber man muss sich natürlich an die Regeln halten. Auch in meinem Buch beschreibe ich, dass man eben Teil der Gesellschaft bleiben muss, um sicher zu sein. Das heißt für Frauen zum Beispiel, sich nicht zu knapp zu kleiden! Denn die meisten Menschen, die in Mumbai öffentlich fahren, sind aus der Unterschicht und sehen halt sonst auch keine Weißen. Die Oberschicht, die den Anblick vielleicht etwas gewöhnter ist, die lassen sich vom Chauffeur in ihren Autos transportieren. Im Kino oder einer Shoppingmall wäre ein kurzer Rock wohl schon OK, aber im Bus oder irgendeinem Viertel falle ich halt mit unpassender Kleidung total auf – und begebe mich so in Gefahr. Mein Ziel ist es, mich optisch so anzupassen, dass ich ohne angesprochen zu werden, auch in abgelegenen Nicht-Touristen-Viertel spazieren gehen kann.

Ist Dir schon mal was richtig Schlimmes passiert?

Nee… ich hatte schon mal so ein paar Momente… zum Beispiel, als mir ein Typ wirklich lange hinterher gelaufen ist… Aber das merke ich immer ziemlich schnell, ich habe inzwischen einen siebsten Sinn dafür. Aber in der Stadt gibt es ganz viele kleine Polizeistützpunkte und als ich da hinlief und auf den Mann zeigte, war der auch ganz schnell weg.

Gibt es eigentlich einen speziellen Grund, warum Du alleine reist?

Hmmm… das hat sich einfach so ergeben. Ich bin schon auch mit Leuten gereist. Das erste Mal alleine war ich in Thailand unterwegs und das hat mich anfangs schon gestresst… Aber ich bin jetzt viel in Mumbai, hab da inzwischen auch Freunde und habe gemerkt, dass dieses Erkunden, Fotografieren und Schreiben des Reiseführeres etwas ganz persönliches ist, das ich am besten eben alleine mache. Ich sehe einfach mehr, kann mir mehr Zeit lassen und bin selbstbestimmter…

Beim Alleinsein fühlst Du Dich auch nicht unwohl oder unsicher?

Nein! Das Reisen zu zweit ist schon auch mal praktischer – gerade beispielsweise bei längeren Zugfahrten – aber wenn man mal gemerkt hat, dass man alleine reisen kann, dann ist das einfach angenehmer! Und ich bin ja nicht allein! Ich treffe ja unterwegs auch immer jemanden, aber ich bin halt flexibler – und das finde ich wichtig. Ich würde ja auch nicht überall hin fahren. Großstädte beispielsweise finde ich angenehmer, weil man eben nicht alleine ist…

Ach, echt? Ich fühle mich in großen Städten deutlich mehr allein und beaobachteter, als beispielsweise in kleineren „Touri“-Städten… Aber Du schreibst ja sogar, dass Du „Megacity-Explorer“ bist, dass das Erkunden großer Städte Deine Leidenschaft ist. Wieso eigentlich?

Keine Ahnung! Das ist echt total komisch, aber ich mag das einfach wirklich gerne! Auch in London bin ich echt viel mit dem Bus gefahren! So kann ich die verschiedenen Stadtviertel kennenlernen und die unterschiedlichen Stimmungen erleben… Aber ich mag einfach die Ansammlung von Leuten. Klar, ich bin auch ganz gerne in der Natur, besispielsweise bin ich auch allein durch Südafrika gereist, auch eher wild unterwegs… Aber da ist halt dann keiner, den Du treffen kannst! Das finde ich dann eher anstrengend, fühle mich mehr allein!

Ich sitze ja wirklich gerne alleine in Cafés und guck mir die Welt an. Aber im Moment, da es dunkel wird, fühle ich mich extrem unwohl! Geht es Dir im Dunklen auch so?

Also ja, das würde ich gerade auch in Mumbai den Frauen nicht empfehlen! Alleine Weggehen geht gar nicht! Aber ich gehe dann entweder mit Freunden, oder empfehle die neuen Backpacker Hotels: die machen abends organisierte Ausflüge in Bars oder Streetfood-Touren und das ist dann auch für Alleinreisende sehr lustig und sicher! Nach 22 Uhr würde ich auch nicht alleine mit dem Bus fahren, aber das würde ich ja sogar bei mir daheim in London nicht unbedingt machen…

Das stimmt…
Wenn Du jetzt Dein Mumbai-Buch fertig hast: hast Du eigentlich schon ein anderes Ziel im Visier, über das Du schreiben möchtest?

Tja, das werde ich oft gefragt. Karadschi in Pakistan wäre so meine Idee – aber das geht halt gerade nicht, denn da kann man leider nicht wirklich hinfahren…

Meine abschließende Frage an Dich, Hella: Ich treffe auf vielen meiner Touren wirklich tolle und inspiriernde Menschen. Und wenn es im Gespräch eine Möglichkeit gibt, stelle ich ihnen gerne die Frage nach dem Sinn des Lebens. Darf ich Dir diese Frage auch stellen, als inspirierenden Menschen?

Das ist schwierig… ! Für mich liegt der Sinn darin, ein glückliches Leben zu leben, aber eben auch was dafür zu tun, damit es glücklich wird. Mich nicht von Systemen gefangen halten zu lassen… Für mich ist Reisen ein sehr, sehr wichtiger Teil, bei dem ich auch sehr viele interessante Menschen treffe. Ich reise, um zu lernen, ein besserer Mensch zu werden, mehr über mich zu lernen und ja, darüber auch glücklicher zu werden…

Also der Sinn des Lebens ist die Suche nach dem Glück und das Glück findest Du auf Reisen – stimmt’s?

Ja, genau so.

Vielen herzlichen Dank liebe Hella, für Deine Zeit! Ich bin mir sicher, dass ich Dich mal in Mumbai besuche und freue mich dann schon so sehr auf Deine Tipps und Touren…

Mehr über Hella’s Reiseführer: “Mumbai by bus and train”

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Der Inhalt:

„Mumbai by bus and train is an extensive guide to Mumbai. It focuses on 19 parts of town that show the city’s versatility and complexity and gives in-depth explanations of how to navigate through the city by local train, metro, monorail, bus, autorickshaw, taxi and ferry. The travel guide also provides historical, cultural and practical information that will enable travellers to explore this fascinating city successfully on their own.“

Das umfangreiche Buch „Mumbai by bus and train“ ist auf Englisch und kann bei verschiedenen englischen Bookshops bestellt werden. Den Link dazu findest Du auf Hellas Webseite.

Die Geschichten meiner Alleinreisen als Blog zum Nachlesen

Auf vielen meiner Roadtrips habe ich einen kleinen Reiseblog geführt. So kannst Du gerne die Erlebnisse meiner Touren im Van nachlesen.

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