Freies Stehen & Wildcampen

In mehreren europäischen Ländern und auch in Deutschland gilt zum Thema “Freistehen” vorrangig das offizielle Gesetz der “Wiederherstellung zur Fahrtüchtigkeit”. Das heißt im Klartext, dass Du – wo es nicht ausdrücklich verboten ist – für eine Nacht mit dem Wohnmobil parken und darin übernachten darfst. Argument ist, dass Du zu müde zum Weiterfahren bist und Du (samt allen anderen Fahrern im Fahrzeug!) dringend eine Mütze Schlaf brauchst. Mit diesen Worten hebelt man die meisten Angriffe aus.

Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit: Parken ist nicht Campen

Unglaubwürdig wird dieser Grund natürlich, wenn Du Dich bereits letzte Nacht an dieser Stelle wieder “fahrtüchtig” geschlafen hast. Suche Dir also am besten jede Nacht einen anderen Platz. Auch wenn Du am Tag vor deiner plötzlich auftretenden Müdigkeit an diesem Platz gemütliches “Campingverhalten” gezeigt hast, werden Ordnungshüter ungnädig. Vermeide generell an allen “inoffiziellen” Übernachtungsplätzen die Benutzung Deiner Möbel, Markisen, Teppiche o. Ä.

Außerdem solltest Du diese Plätze möglichst spät am Tag anfahren, um Tagesgästen (wie zum Beispiel Wanderern oder Strandbesuchern) deren Parkplatz nicht streitig zu machen, was immer für schlechte Laune (und letztlich für Verbotsschilder) sorgt.

Dachzelt-Camper oder auch Klappdach-Bullis haben einen schweren Stand, denn offiziell ist das “Aufbauen von Schlafstätten” schon Campingverhalten und damit Auslegungssache bei den Hütern der Gesetze. Tatsächlich kann man aber erfahrungsgemäß trotzdem mit dem Schlafbedürfnis überzeugen, wenn man sich mit allem anderen Verhalten verständnisvoll an die Regeln gehalten hat.

Logische Regeln für geduldetes Freistehen und wildes Campieren

“Wildes Campen” (also längerer Aufenthalt mit Camping-Verhalten) ist grundsätzlich in weiten Teilen Europas nicht erlaubt. Das “Freistehen” (Übernachten im Wohnmobil) ist dagegen fast überall geduldet. Diese Kulanz der Behörden und Anwohner bleibt aber nur, wenn wir Camper uns konsequent an ganz logische Regeln halten:

» Der nächstgelegene Campingplatz ist nicht nutzbar, weil überfüllt oder zu weit weg. Eine Region, die vom Tourismus lebt, stößt man bitte nicht vor den Kopf, indem man (kostenlos) direkt neben einem offiziellen Platz campt.

» Der Parkplatz für Einheimische ist kein Wohnort! Auch wenn es noch so verführerisch ist, direkt am Strand den ganzen Urlaub (kostenfrei) zu verleben. Dass die Einheimischen ihre Parkplätze nutzen können, um an “ihren” Strand zu kommen, sollte mehr als selbstverständlich sein. Portugal hat übrigens reagiert und an fast allen Parkplätzen Höhenbegrenzungen angebracht. So haben einige egoistische Nervensägen bewirkt, dass auch in der Winterzeit kein Camper mehr an den tollen Plätzen übernachten kann.

» Bleib nicht länger als eine Nacht an einem Platz. Weitab in der Natur ist natürlich auch länger in Ordnung, wenn sich keiner gestört fühlt, aber auf belebten Plätze solltest du signalisieren, dass du hier nicht einziehst, sondern nur vorübergehend genießt.

» Der “geschenkte” Platz muss natürlich absolut sauber bleiben. Es ist ein Zugeständnis, wenn man Dich dort in Ruhe lässt und Deine Anwesenheit (die ja keinen Mehrwert bringt) duldet. Also hinterlasse keinesfalls Müll und keine Lagerfeuer-Spuren auf dem Boden. Vielleicht nimmst Du sogar an dem Trend teil, Deinen temporären Wohnort sauberer zu verlassen, als er vorher war.

Wo ist Freistehen bzw. Wildcampen mit dem Van / Wohnmobil erlaubt?

Gerne würde ich hier eine übersichtliche Liste präsentieren, auf der Du ganz klar erkennen kannst, wo Du Dich sicher fühlen kannst. Aber leider: Bei allen Recherchen zu dem Thema erhält man unterschiedliche Informationen zu den Ländern und deren Regelungen. Zudem ist (beispielsweise in Deutschland) die Gesetzeslage sogar in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich.

Es gibt meist keine klare, offizielle Regelung, und oft kennen diese die Anwohner und Polizei vor Ort auch nicht. Wenn Du störst, zu laut,
zu nah oder zu auffällig bist, wird eine Amtsperson bei Dir klopfen und Dich mehr oder weniger höflich auffordern, diesen Platz zu verlassen – ganz ohne beweisenden Gesetzestext unter dem Arm. Einfach, weil er es kann und weil die Einheimischen Recht haben.

Nach all den Jahren Freistehen (ohne die Regelungen vor Ort zu kennen), kann ich Dir nur raten: Nutze die Freiheit möglichst in nicht überlaufenen Gegenden und suche Dir einen Platz völlig abseits der Touristenströme. Am besten ist: Du verhältst dich ruhig und bist quasi unsichtbar. Nur so ist niemand von Deiner Anwesenheit genervt und wird Deinen Aufenthalt vor Ort akzeptieren / erlauben – egal, was das Gesetz sagen würde.

Wo ist freies Stehen verboten?

» Logisch: auf Parkplätzen, die mit “Wohnmobil verboten” gekennzeichnet sind
» Ungefragt auf Privatgrund
» Natürlich in Naturschutzgebieten
» Da, wo du den Anwohnern im Weg (oder in der Optik) bist
» Wo Du wilde Tiere störst
» Und wenn Du einfach zu nah an anderen, freiheitsliebenden Camperkollegen stehst: Wenig nervt mehr, als Kuschelcamper (siehe weit!

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